SAP
Das SAP Entwicklungs- und Vertriebszentrum in Walldorf ist seit 1992 die Firmenzentrale. Das SAP Entwicklungs- und Vertriebszentrum in Walldorf ist seit 1992 die Firmenzentrale.
Grösster europäischer Softwarehersteller mit Sitz in Walldorf (Baden). SAP stand ursprünglich für "Systemanalyse und Programmentwicklung", dann für "Software, Anwendungen und Produkte". Heute ist SAP AG der offizielle Name. 

SAP-Gründerzeit
Die Firma wurde 1972 von 5 ehemaligen IBM Entwicklern in Weinheim gegründet: Hasso Plattner, Dietmar Hopp, Claus Wellenreuther, Hans Werner Hector und Klaus Tschira. Später wurde ein Büro in Mannheim eröffnet und 1976 die SAP  GmbH gegründet. In diesem Zeitraum viel auch der Umzug von Mannheim nach Walldorf. In der Anfangszeit galt es für die Gründer ein relativ hohes Risiko auf sich zu nehmen und die Jobs bei IBM zu kündigen. Die Idee einer betriebswirtschaftlichen Software  war damals relativ neu, es gab kaum Konkurrenten. Insbesondere Claus Wellenreuther verfügte als Diplom-Kaufmann über in der EDV Branche damals seltenes interdisziplinäres Wissen. Damalige Konzepte liefen über eine Batch-Buchhaltung die sich  zu Echtzeitverarbeitung weiterentwickelte (System R/2, Realtime - Echtzeitverarbeitung). Produkt war die Finanzbuchhaltungssoftware RF, welche sich als Konkurrent gegenüber IBMs IFB (Integrierte Finanzbuchhaltung) durchsetzte.  Erstmals wurden Terminals eingesetzt, welche als interaktive Arbeitsstationen für die Dialogverarbeitung dienten. Buchhaltungsinformationen und Finanzdaten liessen sich so in Echtzeit verarbeiten um z. B. gleichzeitig eine Controlling-Analyse  durchzuführen. Damalige Hardware-Ressourcen waren sehr beschränkt so dass es für die SAP Entwickler Sinn machte, die Programme in Dialog- und Datenbankprozesse aufzuteilen.  Zu diesem Zweck wurden sog. Dynpros (Dynamische Programme) entwickelt, welche es ermöglichten, die Mensch-Maschine Kommunikation mit Hilfe von Bildschirmmasken zu bewerkstelligen. Ein damals bewährtes SAP Prinzip war es, auf zukünftige  Hardware-Entwicklungen zu setzen, und diese schon in gegenwärtiger Software zu antizipieren. Die Programmiersprache ABAP (ursprünglich: Allgemeiner Berichts-Anwendungs-Prozessor, heute: Advanced Business Application Programming)  hat ihren Ursprung auch in der Gründerzeit und wurde von Klaus Tschira konzipiert. Heute ist ABAP/4 eine  betriebswirtschaftliche Entwicklersprache der 4. Generation (4th Generation Language). ABAP diente dazu, die R/3 Module für ihre verschiedenen Anwendungen und den Bildschirmmasken zu formen. Dazu wurden auch Makros eingesetzt,  welche in der Lage waren, Auswertungen von Firmendaten zu fahren (Berichtsgeneratoren). Mit ABAP/4 werden SAP-Anwendungen entwickelt: auch das System R/3 wird mit ABAP weiterentwickelt.

SAP-Module
Die Software von SAP ist in  Module aufgeteilt, die nahezu jeden betriebswirtschaftlichen Ablauf eines Unternehmens abbilden können. Es gibt unter anderem Module für Finanzbuchhaltung, Controlling, Vertrieb, Materialwirtschaft, Personalwirtschaft, Produktionsplanung und -steuerung,  Projektabwicklung, Instandhaltung, Lagerverwaltung, Kundendienst, Qualitätsmanagement,  Service Management und einige mehr. Der Umsatz belief sich 2004 auf 7,5 Milliarden Euro mit ca. 32.000 Mitarbeitern. SAP verwendet intern neben der Programmiersprache ABAP  auch Java.

SAP-NetWeaver
Weitere Produkte sind der SAP NetWeaver,  eine Plattform, mit der verschiedene Business Anwendungen integriert werden können. Damit hat man die Möglichkeit zur Integration aller SAP Produkte: der SAP NetWeaver Application Server (ehemals  Web-Application Server), das Business Information Warehouse (BI/BW auch "SAP Business Intelligence": ein Data-Warehouse mit OLAP-Tools (Business Explorer, BEx), Data-Mining-Funktionen (Analyseprozessdesigner, APD), sowie Datenmanagement (Administrator  Workbench)), das SAP NetWeaver Portal, die SAP Exchange Infrastructure (XI, Support der prozessbezogenen Kooperation heterogener Systeme via Nachrichtenaustausch), der SAP Auto-ID Infrastructure (Einbindung von Eingabe-,  Empfangs- und Kommunikations-Geräten wie RFID-Lesegaräte, Realtime-Bluetooth-Geräte, Barcode-Scanner, Drucker usw.), dem SAP Master Data Management (MDM/MDME:  zentrale Administration der Stammdaten (MDME = Master Data Management Extension)), der SAP Mobile Infrastructure (MI) u.a. In der Praxis wird SAP NetWeaver benutzt,  um Portale zu erstellen, welche Funktionen einheitlich zugänglich machen, für die Schaffung einer einheitlichen Datenbasis oder um einen Geschäftsprozess aus einer Anwendung heraus zu initiieren und während seines Verlaufes über verschiedene Anwendungen  zu verwalten. Der SAP NetWeaver Application Server umfasst einen ABAP- und einen J2EE-Applikationsserver. Auch Nicht-SAP Produkte können angebunden werden. Früher war SAP eine reine ERP-Software. Durch die "mySAP Business Suite" umfasst SAP heute ERP,  SCM, CRM, SRM und PLM Systeme. Für den Mittelstand gibt es SAP Business One und SAP All-In-One. Mit "Duet" (ehemals "Mendocino") bietet SAP eine Software in Kooperation mit dem Konkurrenten Microsoft an, welche die MS-Office-Welt mit mySAP ERP verbindet.           
Siehe auch:    ABAP   BAPI   CRM   Data-Warehouse   Data-Mining   Stammdaten   ERP   SAP-Exchange-Infrastructure   SAP-Web-Application-Server   Duet